Mein Mann stieß mich aus einem Hubschrauber, um seine Geliebte zu schützen

Zweiundsiebzig Stunden nach dem Sturz war Elena Voss nicht tot – sie hatte gelandet, gerechnet und begonnen zurückzunehmen, was ihr Mann für erledigt hielt.

Kapitel 20: Die erste Ohrfeige im Sitzungssaal

Valestars Sitzungssaal sah teuer genug aus, um ein Verbrechen zu verbergen, und sauber genug, um es zu leugnen.

Glaswand. Polierter Tisch. Sechs Direktoren, die vor neun Uhr morgens so taten, als hätten sie keine Angst.

Elena nahm von einem schwarzen Bildschirm aus teil, die Kamera ausgeschaltet.

Northmere Asset Protection erschien unter dem leeren Quadrat, schlicht wie ein Grabstein und doppelt so unbequem.

Sophia saß am Kopf des Tisches, blass, aber aufrecht.

Das zählte.

Marcus' Anwalt saß zwei Plätze weiter, mit einem Lächeln, das nach Stundensatz aussah.

Victor Hale, Valestars Finanzvorstand, saß neben ihm mit einer Mappe, zu dick für Unschuld.

Elena sah aus Daniels Büro zu, Claire an ihrer Seite, während Daniel mit verschränkten Armen hinter der Kamera stand.

Das hier war kein Theater. Es war ein Verfahren, und genau deshalb fürchteten Marcus' Leute es.

Die Vorsitzende räusperte sich. „Diese außerordentliche Sitzung wurde von Northmere Asset Protection beantragt, unserer größten stimmberechtigten Einzelaktionärin."

Victor beugte sich vor. „Diese Position ist strittig."

Elena schaltete ihr Mikrofon ein. „Nein, ist sie nicht."

Jeder Kopf im Sitzungssaal drehte sich zum schwarzen Bildschirm.

Sophias Blick senkte sich. Dann hob er sich wieder.

Der Anwalt lächelte. „Und wer genau spricht für Northmere?"

„Unsere Vollmacht liegt den Anwälten vor."

„Das ist kein Name."

„Für diese Sitzung genügt es."

Die Vorsitzende sah auf ihre Unterlagen. „Northmere hat eine ordnungsgemäße Bescheinigung eingereicht."

Das Lächeln des Anwalts wurde schmaler. Gut.

Männer, die Namen als Waffen benutzten, hassten verschlossene Türen.

Victor öffnete seine Mappe. „Valestar ist Ziel einer feindlichen Governance-Aktion geworden, die auf Trauer, Spekulation und ungeprüften Behauptungen beruht."

Sophias Hand spannte sich einmal auf dem Tisch.

Elena sagte: „Streichen Sie das Wort Trauer aus dem Protokoll." Victor blinzelte. „Wie bitte?"

„Valestar ist nicht hier, um Trauer zu erörtern. Es ist hier, um nicht offengelegte Zahlungen an nahestehende Personen, die Falscheinstufung von Anteilseignern und Vorstandsrisiken zu erörtern."

Die Vorsitzende machte sich eine Notiz. Victors Anwalt lehnte sich zurück. „Diese Vorwürfe sind verfrüht." Claire legte einen Finger auf Elenas gedruckte Tagesordnung.

Elena ging zum ersten Punkt über.

„Beschluss eins. Sofortige Suspendierung von Victor Hale als Finanzvorstand bis zum Abschluss einer forensischen Prüfung."

Victor lachte einmal auf. „Nein."

Elena sagte: „Sie haben elf vierteljährliche Überweisungen an Hargrove Strategic Holdings freigegeben."

„Ich habe genehmigte Anweisungen der Geschäftsführung ausgeführt."

„Von Sophia Vale?" „Aus dem Büro der Geschäftsführerin."

Sophia sah ihn an. „Verstecken Sie sich nicht hinter meinem Büro, Victor."

Der Raum wurde schärfer. Victor warf Marcus' Anwalt einen Blick zu.

Der Anwalt sprach. „Jede Suspendierung würde das Unternehmen destabilisieren."

Elena erwiderte: „Das Unternehmen wurde destabilisiert, als sein Finanzvorstand Geld in das private Netzwerk des Verlobten der Geschäftsführerin verschob, ohne den Vorstand zu informieren."

Die Stille packte den Raum an der Kehle.

Die Vorsitzende sah Sophia an. „Frau Vale?"

Sophia atmete ein.

Für eine Sekunde sah Elena die Frau aus dem Korridor, weinend, wo Marcus es nicht sehen konnte. Dann kam Sophias Stimme fest. „Ich unterstütze die Suspendierung."

Victor fuhr zu ihr herum. „Sophia, Sie wissen nicht, was das auslösen wird." „Nein", sagte sie. „Ich glaube, ich weiß es endlich."

Die Vorsitzende rief zur Abstimmung. Eine nach der anderen hoben sich die Hände.

Nicht alle schnell. Nicht alle stolz. Genug. Victor Hale wurde bis zum Abschluss der Untersuchung suspendiert.

Marcus' Anwalt stand auf. „Dieser Vorstand handelt unter dem Druck einer anonymen feindlichen Partei."

Elena schaltete ihre Kamera ein, nicht ganz ausgeleuchtet, nicht deutlich genug zum Erkennen, nur genug, damit der Raum eine sehr still sitzende Frau sah. „Der Vorstand handelt im Rahmen seiner Pflichten", sagte sie.

Der Anwalt erstarrte. Er kannte die Stimme. Sophia kannte sie auch. Elena fuhr fort: „Und Sie sind weder Direktor noch leitender Angestellter, Anteilseigner oder bevollmächtigter Berater von Valestar PR."

Der Raum wurde still.

Sie ließ die Stille ihre Arbeit tun. Dann sagte sie: „Setzen Sie sich. Sie sind kein Anteilseigner."

Der Anwalt setzte sich.

Sophia starrte auf den Bildschirm, als hätte sie einen Geist einen Stuhl bewegen sehen. Elena schaltete ihre Kamera aus. Victor Hales Telefon begann zu klingeln, bevor die Sitzung endete.

Marcus' Name blitzte über den Bildschirm. Niemand ging ran.

Dann drehte Sophia das Telefon mit einem Finger um.