Mein Mann stieß mich aus einem Hubschrauber, um seine Geliebte zu schützen

Zweiundsiebzig Stunden nach dem Sturz war Elena Voss nicht tot – sie hatte gelandet, gerechnet und begonnen zurückzunehmen, was ihr Mann für erledigt hielt.

Kapitel 12: Ellie Cross tritt ein

Elena betrat Valestar PR um neun Uhr fünfzehn, mit einem falschen Namen, einem ruhigen Gesicht und jener Art von Schweigen, die nur das Überleben lehrt.

Die Empfangsdame lächelte ohne Interesse. Perfekt.

Menschen erinnerten sich an Panik, Schönheit, Blut, Skandale; selten an eine Beraterin im anthrazitfarbenen Mantel, mit schlichten Schuhen und hochgestecktem braunem Haar.

„Ellie Cross?" „Ja."

„Frau Vale verspätet sich um zehn Minuten."

„Selbstverständlich."

Sie setzte sich unter gerahmte Kampagnen: polierte Gesichter, Slogans, teure Erlösung, jede Art von Lüge, die Geld einkleiden konnte. Die Auszeichnungen sahen schwer genug aus, um Fingerabdrücke zu verbergen.

Valestar verkaufte bessere Versionen von Menschen, die sich bessere Lügen leisten konnten: Spender, Bauträger, Gründer mit Skandalen und einem Lächeln.

Marcus hatte Sophia gut gewählt: eine Frau, die wusste, wie man Schmutz poliert, bis er Licht fängt.

Der Aufzug öffnete sich. Sophia Vale trat in einer cremefarbenen Bluse heraus, das Telefon in der Hand.

Ihr Lächeln traf vor ihr ein, und das Tageslicht ließ sie weniger wie eine Geliebte wirken und mehr wie eine erschöpfte Gründerin, die den Schlaf verlor. Das machte sie nützlicher – und gefährlicher.

Elena stand auf.

Für eine scharfe Sekunde hielt Sophia inne. Die Augen auf Elena gerichtet. Kein Wiedererkennen. Noch nicht. Etwas Älteres.

Instinkt.

„Ellie Cross?" „Ja."

Der Händedruck dauerte eine halbe Sekunde zu lang. Sophias Haut war kalt.

„Sind wir uns schon einmal begegnet?" „Ich glaube nicht."

„Ihr Gesicht kommt mir bekannt vor." „Ich habe so ein Gesicht."

„Nein", sagte Sophia. „Verzeihung. Langer Morgen."

„Ich verstehe lange Morgen."

Sie gingen in einen gläsernen Besprechungsraum. Auf dem Tisch: die Ausschreibung.

Sechswöchige Krisenberatung. Vorstandskommunikation. Investorenansprache. Interne Risikoprüfung. All die faden Namen, die Menschen der Panik gaben.

Claire hatte sie verfasst. Daniel hatte sie über einen Personalvermittler platziert. Sophia hatte die engere Auswahl genehmigt.

Druck öffnete Türen für jeden, der Erleichterung mitbrachte. Erleichterung: die sauberste Verkleidung.

Sophia setzte sich gegenüber. „Wir brauchen jemanden Diskreten."

„Dann jemanden, der weiß, dass Schweigen ein Werkzeug ist und keine Persönlichkeit."

Sophias Blick hob sich. Gut.

„Ihre bisherigen Mandanten?"

„Private Familienvermögen. Unternehmensstreitigkeiten. Ein Gründerwechsel, der beinahe öffentlich geworden wäre."

„Beinahe?" „Genau darum geht es."

Sophia sah auf den Lebenslauf. „Überqualifiziert für sechs Wochen?"

„Ich bevorzuge kurze Brände."

Valestars Chefjustiziar kam mit einem Tablet herein, blass und gereizt. „Northmere-Mitteilung."

Sophia: „Später."

„Es kann nicht warten."

Elena senkte den Blick. „Entschuldigen Sie uns?" „Selbstverständlich."

Sie stand auf, doch der Justiziar warf einen Blick auf den Lebenslauf. „Eigentlich könnte Krisenerfahrung helfen." Sophia zögerte.

Die Mitteilung: Northmere Asset Protection hält vierunddreißig Prozent und beantragt eine Vorstandsprüfung.

„Vierunddreißig? Ich bin die größte Anteilseignerin."

„Laut Register nicht." Die Farbe wich aus Sophias Gesicht.

„Wer steckt hinter Northmere?" „Unbekannt."

Elena: „Hören Sie auf zu fragen, wer. Fragen Sie, warum heute."

Sophia starrte sie an, der Instinkt kehrte zurück. „Willkommen bei Valestar, Frau Cross."

Elena lächelte. Zu sanft. Die Jagd verlegte sich nach drinnen.